Es ging hoch her am Mittwochabend. Die Stadt hatte zur Infoveranstaltung über das geplante große Bauvorhaben auf dem Gelände der Johanneskirche eingeladen. Die dort vorgestellten Pläne stießen auf breite Kritik.
Große Beteiligung in der Johanneskirche
Gut 100 Besucherinnen und Besucher versammelten sich am frühen Mittwochabend in der Johanneskirche – dem Gebäude, das die evangelische Kirchengemeinde Alt-Krefeld abreißen und durch mehrere große Mietwohnblöcke mit 26 Wohneinheiten und Tiefgarage ersetzen möchte.
Es waren Menschen aus allen Teilen des Forstwalds da. Unter anderem vom Stockweg, von der Hermann-Schumacher-Straße, vom Elsternweg, Bellenweg, Hochbendweg, Erikapfad, Spechtweg, Gertrud-Icks-Weg, An-Maria-Waldrast, Meisenweg, Rosenhain und der Hückelsmaystraße.
Zu Beginn stellten die beiden Vertreterinnen der Stadt (Monika Timmermann und Sara Abbaszadeh) die Planung der Kirchengemeinde Alt-Krefeld für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan vor und erläuterten sie kurz. Alternative Ideen wurden nicht präsentiert. Anschließend hatten Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, Anregungen und Kritik zu äußern und Fragen zu stellen.
Einhellige Ablehnung der vorliegenden Planung
Massive Kritik gab es vor allem an der Höhe und Dichte der geplanten Wohnblöcke. Die Pläne zeigen Gebäude, die deutlich höher sind als die Häuser in der Umgebung und auch deutlich höher als das bisherige Gebäude der Johanneskirche. Diese Art der Bebauung kommt so im Forstwald nicht vor und würde den Charakter des Wohngebiets stark verändern.
Einhellig wurde gefordert, dass die Gebäude eingeschossig geplant werden sollen, statt wie im jetzigen Entwurf zweigeschossig plus Staffelgeschoss.
Probleme durch das zu erwartende Verkehrsaufkommen
Dazu wurden die Probleme angesichts des zu erwartenden deutlich höheren Verkehrsvolumens durch 26 zusätzliche Wohneinheiten angesprochen. Die Forstwalder Bezirkspolizistin, Hauptkommissarin Ramona Hagens wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass derzeit viele Passanten im Forstwald auf der Fahrbahn gehen, da die Bürgersteige nicht oder nur schlecht ausgebaut sind. Mit dem zu erwartenden deutlich höhere Verkehrsvolumen würde besonders die Gefahr für die Kinder auf ihrem Schulweg und alte oder mobilitätseingeschränkte Menschen stark ansteigen.
Stellungnahme des Bürgervereins
Der Vorsitzende des Bürgervereins Forstwald, Rudolf Weißert, verlas eine Stellungnahme des Bürgervereins, die mit viel Applaus bedacht wurde. Darin wird die vorliegende Planung abgelehnt und eine Anpassung an den derzeit geltenden Bebauungsplan sowie eine angemessene Berücksichtigung der Verkehrssituation gefordert.
Mehrere Äußerungen bezogen sich auch auf die Auswirkungen des geplanten Tiefgaragenbaus auf die bereits jetzt kritische Höhe des Grundwasser-Spiegels. Ebenso wurde der erforderliche Artenschutz und der Schutz des Baumbestandes angesprochen. In der Beschreibung der Kirche wird behauptet, dass der „vorhandene Baumbestand weitestgehend erhalten“ werden soll. Aus den Plänen ergibt sich jedoch, dass die meisten der alten Bäume gefällt werden müssten.
Präjudizierende Wirkung nicht ausgeschlossen
Ein Bürger äußerte die Befürchtung, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, der eine zweigeschossige Bebauung plus Staffelgeschoss erlaube, auch weitere künftige Bauherren im Forstwald dazu animieren könnte, ebenso hoch zu bauen. Die Antwort der Verantwortlichen war: „Das ist nicht vorgesehen“. Jedoch wurde die Möglichkeit nicht ausgeschlossen.
Auf die Frage an das Presbyterium, wie die Kirche denn gewährleisten wolle, dass die neu gebauten Wohnungen – so wie in ihrer Beschreibung behauptet – in erster Linie Forstwaldern und nicht anderen Personen angeboten werden, gab es nur ein Schulterzucken als Antwort.
Enttäuschung über die Kirche
Viele Menschen zeigten sich enttäuscht über die Kirche. Die Johanneskirche ist mit vielen Erinnerungen verknüpft. Menschen haben hier ihren Glauben gelebt, geheiratet, ihre Kinder taufen lassen, von Verstorbenen Abschied genommen. Nun soll das Gebäude verschwinden und als Ersatz soll es lediglich einen nicht einmal halb so großen Mehrzweckraum geben, der gleichzeitig das Gemeindehaus ersetzen soll.
Besonders verletzend empfinden es viele, dass die Kirchengemeinde offenbar seit Jahren an dem Projekt arbeitet, Pläne erstellt, Architekten und Planer beschäftigt, ohne die Gemeindemitglieder, Nachbarn und Bewohner des Viertels miteinzubeziehen. Bis heute hat die Kirche keinerlei Gespräche gesucht und keine Pläne veröffentlicht.
Insgesamt beteiligten sich rund ein Viertel der Anwesenden aktiv an der Fragerunde und zeigten deutlich, dass in allen Ecken des Forstwalds große Unzufriedenheit mit den Plänen der evangelischen Kirchengemeinde herrscht.
Aus dem Presbyterium hieß es, die Kirchengemeinde würde an diesem Abend genau zuhören. Wir sind gespannt.
Die Stadt bittet weiterhin darum, Kritik und Vorschläge mitzuteilen:
Entweder per E-Mail an bauleitplanung@krefeld.de
oder per Post an Stadt- und Verkehrsplanung, Oberschlesienstraße 16, 47807 Krefeld





Fotos: Holger von Rüden
Das Vorhaben wurde vorgestellt und allgemein abgelehnt. Es ist klar, dass nicht der Wunsch, etwas Gutes zu tun, sondern reiner Geldgier der Treiber hinter dem Plan ist. Wenn der Investor den Plan in dieser Form vorantreibt, wird es auf Protest stoßen und etwaige Beschwerden werden die Umsetzung um Jahre, wenn nicht Jahrzehnten, verzögern. Besser wäre es, wenn der Investor den Plan abändert und die Bebauungsdichte an der Umgebung anpasst. Es wird sicherlich viel Interesse an 4 bis 6 Einfamilienhäuser oder 3 bis 5 Doppelhäuser geben. Das wäre reibungslos in der Umgebung einzupassen.
Der Geschäftsführer des mutmaßlich zukünftigen Betreibers Care Imobilien GmbH und des Gemeindeverbandes war gar nicht erst anwesend, so dass viele Fragen nicht beantwortet werden konnten und das Presbyterium mehrfach nur mit Schulterzucken reagiert hat.
Als nach 2 Stunden die Rednerliste geschlossen wurde, konnten zudem viele weitere Fragen gar nicht erst gestellt werden. Diese sollten dann jetzt noch im Nachgang an die Stadt gehen. Am Ende bleibt es aber in erster Linie eine politische Entscheidung, bei der die einzelnen Ratsfraktionen möglichst vor der diesjährigen Kommunalwahl klar Stellung beziehen sollten. Jeder Forstwalder kann hier Druck auf die Politik ausüben, um eine klare Position einzufordern.